
Warum Finanzbildung in die Schule gehört
Was Lehrkräfte sich wünschen
- 92% der Lehrkräfte sind der Meinung, dass Schulen mehr Finanz- und Wirtschaftswissen vermitteln sollten.
- 78% sprechen sich für ein eigenes Fach „Wirtschaft und Finanzen“ in allen Bundesländern aus.
- Besonders wichtig sind ihnen Themen wie der Umgang mit Geld, Altersvorsorge und Geldanlagen.
Gleichzeitig berichten viele Lehrkräfte von veralteten Materialien, zu wenig Unterrichtszeit und fehlender fachdidaktischer Unterstützung. Genau hier setzen Forderungen an: Finanzbildung braucht klare Rahmenbedingungen, zeitgemäße Inhalte und praxistaugliche Materialien.
Schulfach „Finanzen“ – eine von mehreren Ideen
In einem Gedankenexperiment zeigt der WDR, wie ein Stundenplan aussehen könnte, der Schülerinnen und Schüler besser auf den Alltag vorbereitet. Neben Fächern wie Glück, Medienkunde oder Kochen wird dort auch ein eigenes Unterrichtsfach „Finanzen“ vorgeschlagen. Die Idee dahinter:
- Fragen wie „Wie lege ich mein Geld sinnvoll an?“, „Brauche ich eine private Altersvorsorge?“ oder „Wie funktioniert eine Steuererklärung?“ würden systematisch im Unterricht behandelt.
- Jugendliche würden früh lernen, welche Rolle Verträge, Versicherungen und Vorsorgeprodukte in ihrem späteren Leben spielen.
- Finanzthemen würden nicht nur theoretisch, sondern an realitätsnahen Beispielen durchgespielt – vom ersten Girokonto bis zur langfristigen Geldanlage.
Solche Vorschläge zeigen, dass Finanzbildung zunehmend als Alltagskompetenz verstanden wird – ähnlich wichtig wie digitale oder soziale Kompetenzen.
Didacta 2026: Finanzbildung auf der Bildungsmesse
Auch auf der didacta 2026, der großen Bildungsmesse in Köln, spielt Finanzbildung eine immer größere Rolle. Die Deutsche Bundesbank präsentiert dort Unterrichtsmaterialien zu Geld, Währung und Geldpolitik und betont, dass ökonomische Bildung Teil einer soliden Allgemeinbildung ist. Weitere Akteure diskutieren, wie Finanzwissen mit Themen wie Demokratieerziehung und Verbraucherbildung verknüpft werden kann.
Damit wird deutlich: Finanzbildung ist kein „Nice-to-have“-Extra, sondern ein Baustein dafür, dass junge Menschen selbstbestimmte und informierte Entscheidungen treffen können.
Was gute Finanzbildung leisten sollte
Ob als eigenes Fach oder integriert in bestehende Fächer – entscheidend ist, was vermittelt wird. Aus Sicht von Lehrkräften und Bildungsexperten gehören dazu vor allem:
- Alltagstaugliche Grundlagen: Konto, Überweisungen, Zinsen, Inflation, Kredite.
- Sicherer Umgang mit Geld: Budgetplanung, Schuldenfallen, Konsum und Sparen.
- Langfristige Vorsorge: gesetzliche Rente, betriebliche und private Altersvorsorge.
- Geldanlage und Vermögensaufbau: Sparprodukte, Wertpapiere, Risiken und Chancen.
- Digitale Finanzwelt: Online‑Banking, Bezahldienste, Sicherheit und Datenschutz.
Wichtig ist: Finanzbildung sollte geschlechtergerecht und inklusiv gestaltet sein, denn Studien deuten darauf hin, dass sich Männer bei Finanzfragen oft sicherer fühlen als Frauen. Gute Materialien und niedrigschwellige Zugänge können helfen, diese Lücke zu verringern.
Wie Banken und Bildung zusammenfinden können
Finanzbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Schulen, Politik, Wissenschaft und Praxis müssen zusammenarbeiten. Der Bankenverband fordert dafür verbindlichere Lehrpläne, mehr Unterrichtszeit und bessere Materialien, die Lehrkräfte unkompliziert einsetzen können.
Banken können dazu beitragen, indem sie:
- verständliche Informationsangebote zu Grundlagen von Sparen und Anlegen bereitstellen,
- praxisnahe Beispiele und Übungen entwickeln,
- Initiativen unterstützen, die Finanzwissen unabhängig und transparent vermitteln.
So entsteht Schritt für Schritt ein Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen – lange bevor die erste große finanzielle Entscheidung ansteht.


